Luttum
- Unser Dorf im Herzen von Niedersachsen -

Die Luttumer Dorfchronik - aus dem Jahr 1997

An dieser Stelle möchten wir Ihnen und Euch die Inhalte der Luttumer Dorfchronik nach und nach auch in digitaler Form zur Verfügung stellen. Herausgeber des vom "Arbeitskreis Dorfchronik" im Jahr 1997 zusammengestellten Werkes ist die Gemeinde Kirchlinteln. Die Texte sind dabei 1:1 aus der Chronik übernommen und wurden lediglich um etwaige Rechtschreib- oder Tippfehler korrigiert.


Inhalt:

1. Geschichte und Entwicklung des Dorfes

2. Dörfliche Verwaltung

3. Soziale Strukturen

4. Landwirtschaft

5. Handwerk und Gewerbe

6. Verkehr und Post

7. Öffentliche Einrichtungen

8. Luttumer Vereine und Gruppen

9. Brauchtum

10. Ortsteil Bessern

11. Anlagen


1. Geschichte und Entwicklung des Dorfes


1. Geographische Lage

Inmitten der nordwestdeutschen Tiefebene befindet sich der Landkreis Verden. Im Südosten des Kreises, etwa viereinhalb Kilometer von der Kreisstadt Verden entfernt, liegt das Dorf Luttum. Ebenfalls zu Luttum gehört der südlich der Landstraße Verden-Walsrode gelegene Ortsteil Bessern.

Die Größe der Gemarkung beträgt 9,12 Quadratkilometer. Sie grenzt im Nordwesten an Eitze, im Norden an Weitzmühlen - hier bildet der Gohbach die Grenze, im Osten an Armsen und im Süden an Hohenaverbergen. In Südwesten bildet die Aller den Abschluss.

Die Gemarkung Luttum setzt sich aus zwei Landschaftsräumen zusammen: der Allermarsch und der niederen Geest mit den Dünenrücken.

Das Dorf Luttum liegt am Rand der Neddenaverberger Geestplatte. Der südliche und südwestliche Teil der Gemarkung befindet sich im Bereich der Allerniederung und wird vorwiegend als Grünland genutzt. Das Hinterland liegt auf der Geestplatte und besteht aus Ackerland und Wald. Die langgestreckte Form des Dorfes ergibt sich aus seiner Geestrandlage. Auch die Höhenwerte innerhalb des Dorfes verdeutlichen dieses: die Höhe über Normalnull (NN) beträgt am Friedhof 40,0 Meter und im Bereich der Einmündung Landstraße/ Luttumer Dorfstraße lediglich 20,3 Meter.

Bis zur Gebietsreform im Jahre 1972 war Luttum eine selbstständige Gemeinde. Heute gehört sie zusammen mit 16 weiteren Ortschaften zur Gemeinde Kirchlinteln.

Anfang 1997 hatte Luttum 1199 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte betrug 131,5 Einwohner pro Quadratkilometer.



2. Aus der Geschichte des Kreises Verden

Ein kurzer Überblick zur politischen und territorialen Entwicklung des Verdener Raumes sei der Chronik vorangestellt. Für Luttum als Dorf im Kreis Verden ist sie gleichermaßen gültig.

Seit dem dritten Jahrhundert n. Chr. sind die Sachsen im Gebiet zwischen Elbe und Weser ansässig, nachdem die Chauken aus diesem Bereich abgewandert sind. In altsächsischer Zeit ist eine Gliederung des Landes in Gaue nachweisbar. Der südöstliche Teil des heutigen Kreises Verden heute zum Sturmi-Gau.

Karl der Große (768-814) führte gegen die heidnischen Sachsen zahlreiche Kriege, um diese zum Christentum zu bekehren und ihr Land in das fränkische Reich einzugliedern. Nach der Eroberung teilte Karl das Land in Missionssprengel ein, um so sein Vorhaben der Christianisierung zu fördern und zu sichern. Die Sprengel waren Voraussetzung für die Schaffung von Bistümern. Auch in Verden erfolgte eine Bistumsgründung. Das Gründungsjahr ist allerdings nicht genau bekannt. Die Stiftsurkunde von 786 stellte sich als mittelalterliche Fälschung heraus. Neuere Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Gründung des Bistums Verden wohl im ersten Jahrzehnt des 9. Jahrhundert n. Chr. aus dem Verdener Missionssprengel entstanden ist. Im Bistum übte der Bischof zugleich mit seinem kirchlichen Amt auch die weltliche Territorialherrschaft aus.

Einschneidende politische Veränderungen brachte der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) mit sich. Im Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück wurden 1648 das Bistum Verden und das Erzbistum Bremen als Reichslehen an die schwedische Krone übertragen. Aus den beiden Bistümern wurden Herzogtümer, die durch einen Generalgouverneur gemeinsam von Stade aus verwaltet wurden. Auch im Herzogtum Verden begann die schwedische Regierung mit der Enteignung der kirchlichen Besitzungen (= Säkularisierung).

1712 eroberten die Dänen im Verlauf des Nordischen Krieges die Herzogtümer Bremen und Verden. Gleichzeitig besetzte auch der Kurfürst von Hannover mit seinen Truppen dieses Gebiet. Im Jahre 1715 Erwerb Kurfürst Georg Ludwig von Hannover, der seit 1714 als Georg I. zugleich König von England war, für 790.660 Reichstaler die beiden Herzogtümer Bremen und Verden von Dänemark. Schweden verzichtete erst 1719 in Frieden von Stockholm formell auf die Herzogtümer und erhielt dafür eine Million Taler von Hannover. Die Schwedenzeit war damit beendet, und die hiesigen Bewohner wurden Hannoveraner.

Infolge der Personalunion mit Großbritannien wurde das Kurfürstentum Hannover mit in den Siebenjährigen Krieg (1756-1763) hineingezogen. England und Frankreich kämpften um den Besitz Kanadas auf europäischen Boden. Das Herzogtum Verden wurde durch die Kriegshandlungen erheblich in Mitleidenschaft gezogen und die Stadt Verden sowie ihre Umgebung sogar kurze Zeit von Franzosen besetzt. Die kurhannoversche Zeit fand 1803 Ende.

Von 1803 bis 1813 war ganz Norddeutschland, und somit auch der Verdener Raum, von Napoleons Truppen besetzt und stand unter französischer Militärverwaltung. Die Herzogtümer Bremen und Verden wurden später im Königreich Westfalen, das Napoleons Bruder Jerome regierte, angegliedert. Bereits 1811 wurden beide Herzogtümer und das gesamte norddeutsche Küstengebiet dem Kaiserreich Frankreich direkt unterstellt. Diesing Einwohner waren nun französische Staatsbürger. Nordwestdeutschland wurde nach dem französischen Departmentsystem gegliedert. Unser Dorf Luttum gehört zur Mairie (= Großgemeinde) Kirchlinteln. Sie war Teil des Canton Verden im Arrondissement Bremen des Department Wesermündung. Die französische Fremdherrschaft brach 1813 nach der Völkerschlacht bei Leipzig zusammen. Auch die Herzogtümer Bremen und Verden wurden wieder frei. Ihre alte Zugehörigkeit wurde 1814 durch den Wiener Kongress bestätigt, der das Kurfürstentum Hannover zum Königreich erhob.

Seit 1823 wurde das ehemalige Herzogtum Verden von Stade aus als Landdrostei Stade verwaltet.

1852 wurde im Königreich Hannover eine umfangreiche Verwaltungsform durchgeführt, u.a. erfolgte die Trennung der Justiz von der Verwaltung. Die Ämter wurden zu reinen Verwaltungsbezirken. Jedes Amt erhielt ein Amtsgericht, das die Rechtspflege übernahm. In Verden entstanden ein Amts- und ein Obergericht,(später Landgericht).

Das Königreich Hannover stellte sich im Krieg zwischen Preußen und Österreich im Jahre 1866 auf die Seite Österreichs. In Folge dieses Krieges verlor das Königreich Hannover seine Souveränität und wurde am 3. Oktober 1866 von Preußen annektiert. In der preußischen Provinz Hannover blieben die Amtsbezirke zunächst bestehen. Später fasste die preußische Regierung Ämter und selbstständige Städte in Kreise zusammen. So wurden die Ämter Achim und Verden erstmals zusammengelegt und bilden bilden mit der Stadt Verden den Kreis Verden. 1885 erfolgte noch einmal eine Trennung. Aus dem Amt Achim wurde der Kreis Achim und aus Stadt und Amt Verden der Kreis Verden. Ebenfalls wurde die Landdrostei Stade in Regierungsbezirk Stade umbenannt.

Die Kreise Achim und Verden bestanden bis zum Jahre 1932, als sie erneut zum Landkreis Verden mit Kreissitz in Verden vereinigt worden.

In der Zeit von 1933 bis 1945 gehörte Luttum zum Gau Ost-Hannover im Regierungsbezirk Stade.

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 gehörte der Kreis Verden zur britischen Besatzungszone und stand unter englischer Verwaltung. 1946 wurde der Landkreis Verden ein Bestandteil des neu gegründeten Landes Niedersachsen.

[...]


7.14 Der Fernsehturm Luttum

Im nördlichen Teil der Gemarkung Luttum befindet sich bei Position 52 Grad 54 Min. nördlicher Breite und 9 Grad 18 Min. östlicher Länge von Greenwich der weithin sichtbare 222 Meter hohe Fernsehturm des Senders Verden. Luttum als Standort eines Grundnetzsenders wurde schon 1961 in Stockholm festgelegt. Der Fernsehsender dient zur Ausstrahlung des 2. und 3. Programmes.

Im Jahre 1966 erwarb die Deutsche Bundespost ein 1,6 Hektar großes Waldgrundstück westlich der Straße nach Weitzmühlen zur Errichtung der Fernsehsendeanlage. Mit den Bauarbeiten wurde bereits im darauffolgenden Jahr begonnen. Errichtet wurden ein 200 Meter hoher Stahlgittermast mit aufgesetzter 22 Meter hoher Antenne sowie zwei eingeschossige Betriebsgebäude für Richtfunkanlagen und die Sender. Die Inbetriebnahme des Fernsehsenders Verden erfolgte am 8. Juli 1969. Seither wird von Luttum aus auf Kanal 25 das 2. Programm und auf Kanal 60 das dritte Fernsehprogramm mit 60 Kilowatt ausgestrahlt. Der Versorgungsbereich des Verdener Senders umfasst die Landkreise Verden und Rotenburg sowie Teile von Hoya, Bremervörde, Fallingbostel und Nienburg.

Die Fernsehsendeanlage in Luttum wird von Bremen aus ferngeschaltet und überwacht. Die Gesamtbaukosten betrugen fünf Millionen Mark.

Abschließend noch einige technische Daten zum Bauwerk selbst: Der Sendemast besteht aus einer Stahlgitterkonstruktion. Sein Gewicht beträgt 203 Tonnen. In 60 und 68 Meter Höhe befindet sich jeweils eine Plattform von zehn Metern Durchmesser. Auf dem Fußpunkt des Sendemastes ruht ein Gewicht von 470 Tonnen. Der Turm wird durch zahlreiche Stahltrossen in seiner Position gehalten. Die Gesamtlänge dieser Abspannungen beträgt 2.200 Meter. Ferner wurden rund 500 Kubikmeter Beton, 11.000 Kilogramm Anker- und Bewehrungseisen sowie 17.000 Schrauben verbaut.


7.15 Flugzeugabsturz am 13. Mai 1971

Am Donnerstag, den 13. Mai 1971, startete der 45-jährige holländische Oberstleutnant Wilhelm Pieter Vogelaar mit dem Düsenjäger vom Typ F5 „Freedomfighter“ von der Fliegerbasis Twente bei Enschede zu einem Übungsflug in Richtung Bundesrepublik Deutschland.

Beim Tiefflug streifte der Düsenjäger in der Gemarkung Luttum eine der stählernen Haltetrossen des Fernsehturmes. Dabei wurde die rechte Tragfläche des Flugzeuges abgerissen. Die schwer beschädigte Maschine fing sofort Feuer und raste Sekunden später auf den Ortskern von Luttum zu. Der Pilot hatte sich mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug herauskatapultiert und durchschlug das Stalldach von der Hofstelle Nr. 11. Er war sofort tot.

Zur Zeit des Absturzes gegen 14.40 Uhr saßen Elsbeth Rosebrock und Erika Blome auf dem Freisitz vor Rosebrocks Haustür. Elsbeth Rosebrock schälte gerade Spargel, als sie das Flugzeug ankommen sah – ein sich drehender Feuerball. Dann knallte es auch schon. Im Wohnhaus befand sich die Tochter Edith Rosebrock (Otten), die gerade Hausaufgaben machte. Durch den Aufprall der Maschine wackelte das ganze Haus. Edith lief erschrocken zum Fenster, um zu sehen, was passiert sein könnte. Elsbeth und Erika standen an der Gartenpforte und schauten zum Stalldach hinüber. Ein Bild der Verwüstung bot sich ihnen.

Es waren zwei Löcher von der Straßenseite aus gesehen im Stalldach, eins durch den Piloten und eins durch den Schleudersitz. Der Pilot und der Schleudersitz blieben auf dem Stallboden liegen. Die Dachpfannen auf der Rückseite des Daches wurden durch den Druck abgedeckt. Das Flugzeug war durch einen Freiraum zwischen dem Wohnhaus und Stall hindurch geflogen.

Dann rasierte das Flugzeug den kleineren Kastanienbaum im Hof ab, der direkt neben dem Schuppen von Claußens steht. Dadurch wurde das Flugzeug heruntergezogen und schlug vor dem Wohnhaus Gutjahr in den Boden, wo jetzt ein Gänsestall von Willi Quast aufgestellt wurde. Es kam zu einer Explosion, und die Einzelteile des Flugzeugs wirbelten durch die Luft. Beim Aufprall lief Benzin aus, und die Erde stand in Flammen. Das Triebwerk landete auf dem Flur in Wohnhaus Gutjahr und fing sofort Feuer. Die Bewohner retteten sich durchs Fenster. Im Haus befanden sich zu dem Zeitpunkt Opa Karl Gutjahr, Oma Grete Gutjahr (inzwischen beide verstorben), Karl und Inge Gutjahr und Andreas Willenbokel (Enkel von Karl und Inge, Sohn von Roswitha Willenbokel, geb. Gutjahr). Der Opa war schon sehr gebrechlich, schaffte es aber dennoch, aus dem Fenster zu kommen.

Weitere Teile des Flugzeugs flogen über das Wohnhaus von Hartmut Helmke in den angrenzenden Stall, der dann ebenfalls Feuer fing. Im Wohnhaus Helmke schlief der Opa Hermann (inzwischen verstorben) in einem Zimmer zur Seite nach Gutjahr. Henning Helmke (Sohn von Hartmut Helmke) war immer um das Haus gelaufen und bei Opa ins Schlafzimmerfenster eingestiegen. Er war gerade wieder eingestiegen als der Absturz geschah.

Anwohner alarmierten sofort die Feuerwehr. Die Brände konnten rasch gelöscht werden dank des Einsatzes der Nachbarwehren aus Hohenaverbergen, Eitze und Verden.

Friedhelm Rosebrock war zur Zeit des Absturzes mit dem Auto in Eitze unterwegs. Als er nach Hause fahren wollte, war Luttum bereits rundherum abgesperrt. Die Bundeswehr, Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk waren in Luttum eingesetzt. Im Haus Rosebrock war die Tür zur Diele abgesperrt. Der Boden, auf dem der Pilot lag, wurde ständig bewacht.

Die einzelnen Flugzeugteile wurden sofort aufgesucht. Die Absperrung war solange vorhanden, bis alle einzelnen Teile gefunden waren. Der Pilot wurde am nächsten Tag von der holländischen Einheit abgeholt. Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

[...]


7.17 Dorfplatz Luttum

Bereits im Jahre 1988 wurde im Investitionsplan des Gemeindehaushaltes der Gemeinde Kirchlinteln auf Antrag eines Luttumer Ratsherren ein Betrag für den Ankauf eines Dorfplatzes in der Ortschaft Luttum ausgewiesen. Die Gemeinde versuchte zunächst, ein Grundstück am Allerweg zu erwerben, doch bot sich im Frühjahr 1992 die zentral im alten Ortskern gelegene ehemalige Hofstelle der Familie Gödecke, Haus-Nr. 5, zum Ankauf an. Der Hoferbe Wilhelm Hermes jun. unterzeichnete am 7. Mai 1992 den Kaufvertrag mit der Gemeinde Kirchlinteln. Für die 3.869 Quadratmeter wurden bei einem Kaufpreis von 60 DM pro Quadratmeter 232.140 DM an den Vorbesitzer gezahlt zzgl. 10.000 DM für die Scheune.

Die Nutzung des Dorfplatzes stand dem Nachbarn Heinz Funke für den Austrieb von Vieh weiterhin zu. Auch konnte er den Maschinenschuppen kostenfrei bis zur Aufgabe der Landwirtschaft im Jahre 1997 nutzen. Die Scheune wurde noch bis zum 30. September 1997 an den Landwirt Dieter Hogrefe für 600 DM jährlich verpachtet.

Nachdem der Heimatverein sein Backhaus auf dem Dorfplatz errichtet hatte, wurde der Platz mehr und mehr für Feierlichkeiten, wie Erntefest, Kartoffelfeuer, Feuerwehrveranstaltungen, Backtage, „Autofreier-Sonntag“ und einiges mehr im Jahr genutzt. Dadurch erhielt der Platz allmählich den Charakter eines Dorfplatzes.

Im Rahmen der Dorferneuerung wurde der Ankauf nachträglich durch das Amt für Agrarstruktur bezuschusst.

Die Gemeinde Kirchlinteln beschloss im Oktober 1995, dass Scheunengebäude zur Substanzerhaltung zu sanieren. Dabei war geplant, die äußere Hülle zu erhalten bzw. das Dach zu erneuern. Die Kostenschätzung des Architekten Nordhausen für die Sanierung einschließlich der neu zu schaffenden Maueröffnung mit Fenstern und Tür ergab die Höhe von 148.000 DM. Für Maßnahmen im Freien, wie Ergänzung der Pflasterung mit Findlingspflaster, Erneuerung des Zaunes einschließlich des Tores wurden 47.000 DM eingesetzt.

Das Feuerwehrgebäude in Luttum an der Bergstraße, Ecke des Grevenskampweges gegenüber der ehemaligen Dorfschule gelegen, benötigte eine Dachsanierung in Höhe von zunächst 40.000 DM geschätzten Baukosten. Später ergab sich noch eine Umplanung, als im Rahmen der Dachsanierung die Option für einen späteren Ausbau und Nutzung des Dachgeschosses offen gehalten wurde. Die Kosten hierfür wurden auf ca. 68.000 DM geschätzt.

Seitens der Ortsfeuerwehr Luttum wurde dann eine Aufstockung geplant, um eine Verlegung des Mannschaftsraumes in das Obergeschoss zu erreichen. Im Erdgeschoss sollte damit ein Sanitärbereich für Damen und ein zusätzlicher Raum für die Lagerung von Bekleidung und Ausrüstung geschaffen werden. Diese Kosten wurden dann auf insgesamt 150.000 DM geschätzt. Die Finanzierung sollte in zwei Abschnitten erfolgen. Diesen Beschluss fasste dann der Planungs-, Bau- und Verkehrsausschuss im Juni 1995. Nach einer Bauausschusssitzung wurde der Vorschlag von Ratsherren unterbreitet, die Freiwillige Feuerwehr Luttum im Scheunengebäude mit unterzubringen. Im März 1996 fand zunächst ein Erörterungsgespräch mit den örtlichen Damen und Herren des Rates, der Freiwilligen Feuerwehr Luttum und Mitgliedern der Verwaltung statt. Die bereits gefassten Beschlüsse wurden gestoppt und nach reiflicher Überlegung erklärte sich die Freiwillige Feuerwehr bereit, in das Scheunengebäude auf dem Dorfplatz nach Sanierung und Umbau umzuziehen.

Das Architekturbüro Müller & Partner aus Verden wurde beauftragt, Varianten zu entwickeln und eine Kostenschätzung zu erstellen. Seitens der Feuerwehr wurde ein Eigenvorschlag von Gerd Blome entwickelt, der im Wesentlichen mit einfloss.

Der Antrag des Ortsvorstehers auf Schaffung eines Jugendraumes fand ebenfalls Berücksichtigung.

Im Dezember 1996 stellte das Architekturbüro seine Zeichnungen und Kostenschätzungen vor. Die Baukosten wurden auf 414.575 DM geschätzt.

Bereits 1996 wurde ein Staketenzaun zum Bruttopreis von 19.660,69 DM an der Dorfstraße errichtet.

Der Gemeinderat beschloss, 350.000 DM für die Sanierung der Scheune einschließlich Innenausbau für die Feuerwehr, Jugendraum und den Sanitärbereich bereitzustellen. Nicht enthalten und eingeplant war der Ausbau der eigentlichen Scheune als Halle.

Die Freiwillige Feuerwehr und die örtlichen Vereine bekundeten, den Kostenansatz durch Eigenleistungen zu reduzieren.

Die Aufträge wurden im September 1997 durch die Gemeinde vergeben.

[...]



4. Landwirtschaft



17. Wasser- und Bodenverband Hohenaverbergen und Luttumer Marsch

Seit dem Jahre 1954 kam es immer häufiger zu Überflutungen der Aller. Zwar war Hochwasser in der Winterzeit nicht ganz unerwünscht, da die fruchtbaren Schwemmteile aus dem Leinetal einen Düngereffekt hatten, trotzdem richteten die Frühjahrs- und Sommerhochwasser immer Schaden an. Heuernten wurden vernichtet und die Folge war, dass Winterfutter für das Vieh zugekauft werden musste. Das Gebiet der Hohenaverberger und Luttumer Marsch konnte ausschließlich als Wiese und Weide genutzt werden. Ebenso waren die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse völlig unbefriedigend. Wegen fehlender oder mangelhafter Vorflutgräben konnte das ausgeuferte Wasser nach dem Fallen des Wasserstandes der Aller nicht schnell genug von den Flächen ablaufen. Die landwirtschaftliche Nutzung wurde immer unrentabler.

Am 22. Juni 1961 fasste der niedersächsische Landtag unter dem Eindruck der immer wiederkehrenden Hochwasserkatastrophen die Entschließung, im Flussgebiet der Aller, Leine und Oker wasserbauliche Maßnahmen durchzuführen. Damit war der „Aller-Leine-Oker-Plan“ geboren. Der Plan sah eine Rückhaltung des Hochwassers durch Talsperren und Rückhaltebecken an der Oker und Leine vor, weiter die Vergrößerung der Abflussprofile in den Mittelläufen der Oker, Leine und Aller sowie die Erhöhung und Verstärkung der Hochwasserdeiche. Für schutzwürdige, zusammenhängende größere Flächen, so wie sie auf der rechten Allerseite im Raum Otersen und Hohenaverbergen/ Luttum zu finden sind, sollten Sommerpolder geschaffen werden.

Diese Sommerpolder entstehen durch Deiche, die ringförmig geführt, ein vor Sommerhochwasser geschütztes Gebiet schaffen. Dies bedeutete, dass solche Flächen vor allem sicherer landwirtschaftlich genutzt werden konnten.

Nun wurde es erforderlich, einen Verband zu gründen. Denn die Behörden brauchten einen Ansprechpartner. Bereits im August 1961 fanden Vorgespräche in Bezug auf die Gründung eines Wasser- und Bodenverbandes zwischen dem Kreisbaurat Lewandowsky und den Bürgermeistern von Luttum, Wilhelm Meyer, und Hohenaverbergen, Ernst Heemsoth, statt. Im Sommer 1962 wurde das Teilnehmerverzeichnis aufgestellt und die Unterlagen für die Verbandsgründung wurden dem Regierungspräsidenten in Stade vorgelegt.

Am 6. Februar 1963 fand die Gründungsversammlung des „Wasser- und Bodenverbandes Hohenaverbergen und Luttumer Marsch“ im Gasthaus Drommelbeck in Hohenaverbergen statt. Geladen waren alle Besitzer, deren Flächen im Verbandsgebiet lagen. Darunter waren auch Mitglieder aus Armsen, Neddenaverbergen, Kirchlinteln sowie den Gemeinden, die heute zur Stadt Verden gehören, wie Borstel, Eitze und Scharnhorst. Sie besaßen Flächen in den Luttumer Wiesen.

Das Verbandsgebiet umfasst das gesamte Marschgebiet Hohenaverbergen-Luttum unter Einschluss der Exklave Gemarkung Barnstedt oberhalb der Mündung des alten Drommelbecks in die Aller und hat eine Größe von rund 480 Hektar. Das Gebiet wird im Westen von der Aller und im Osten von den Geesthängen begrenzt und reicht im Norden bis an die Ortslage Eitze, während im Süden die Lehrde die Grenze zum Nachbarverband „Untere Lehrde und Vethbach“ in Otersen bildet.

Zum ersten Verbandsvorsteher wurde Georg Heemsoth aus Hohenaverbergen gewählt, sein Stellvertreter war Hermann Hoops aus Luttum. Heemsoth legte 1973 sein Amt nieder. Seit dem 22. November 1973 ist Hans Kaese, Hohenaverbergen, Verbandsvorsteher.

Nach Gründung des Verbandes konnte damit begonnen werden, die größte Fläche des Verbandsgebietes durch Sommerdeiche gegen Hochwasser in der Vegetationszeit zu schützen. Dafür wurden beträchtliche Mittel aus dem Aller-Leine-Oker-Generalplan bereitgestellt.

1968 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen. Zunächst wurde parallel der Verbandsgrenze am Lehrdeufer ein Rückstaudeich von rund 2,5 km Länge von der Lehrdemündung bis zum Geestrand angelegt. Hierdurch wird verhindert, dass bei Hochwasser der Aller die Lehrde durch das eingesaute Allerwasser über die Ufer tritt und das Verbandsgebiet von Süden überschwemmt. Anschließend wurde die Westseite durch einen rund 3,4 km langen Sommerdeich bis zum Geestrand in Höhe der Ortslage Luttum gegen Sommerhochwasser der Aller geschützt. Dieser Deich erhielt eine Kronenbreite von 2,00 m und eine Böschungsneigung von 1:7 nach binnen wie auch nach außen. Durch diese flachen Böschungsneigungen kann der Deichkörper bei normalen Wasserständen als Grünland genutzt werden.

Mit den letzten Arbeiten am Allerdeich im Jahre 1972 wurde dann der Deichschutz für den Polder vervollständigt. Die Bodenentnahme für den Allerdeich sowie für die Verwallung am Drommelbeck erfolgte aus dem Grundstück am heutigen Osterfeuerplatz. Besitzer war die Landwirtin Ilse Bartholomäus in Luttum.

Durch den Deichbau wurde die Entwässerung der Flächen zur Aller hin unterbrochen, sodass es notwendig wurde, für den Polder ein Entwässerungssystem zu schaffen. Als neuer Hauptvorfluter durchzieht der Marschgraben mit einer Länge von rund 2,1 km das Verbandsgebiet von Südosten bis Nordwesten. Als Nebenvorfluter wurden noch rund 4,0 km Gräben ausgebaut. Die Gräben sind so tief angelegt, dass alle Flächen des Poldergebietes gedränt werden können.

Der Drommelbeck, der das Verbandsgebiet in N-S-Richtung durchzog, wurde ebenfalls verlegt. Für den Drommelbeck wurde daher etwa 200 m nach Eintritt in das Verbandsgebiet ein neuer Bachlauf ausgebaut. Dieser wurde außerhalb des Poldergebietes parallel des Geestrandes in O-W-Richtung auf eine Länge von rund 2,1 km bis zur Aller geführt und mit einem Rückstaudeich ausgestattet. Diese Verlegung war notwendig, um das einströmende Fremdwasser aus der Geest nicht in den Polder gelangen zu lassen, sondern gleich in die Aller abzuleiten. Zur Vermeidung großer Unterhaltungskosten am neuen Drommelbeck wurde unmittelbar nach Eintritt des Drommelbecks in das Verbandsgebiet ein Sandfang mit zwei Kaskadensohlabstützen eingebaut.

Im Jahre 1972 wurde im Bereich der Luttumer Wiesen an der Aller mit dem Bau eines Schöpfwerkes begonnen. Nach Abschluss der letzten technischen Arbeiten konnte es 1974 in Betrieb genommen werden. Durch dieses Schöpfwerk kann der Wasserstand im ausgebauten Grabensystem auf einer gewollten Höhe gehalten werden. Das Schöpfwerk ist mit zwei „Köster Propellerpumpen“ von je 500 Liter Leistung pro Sekunde ausgerüstet. Eine Schwimmerschaltung schaltet die Pumpen auf vorher festgelegte Wasserstände automatisch ein und aus.

Außerdem wurden Wirtschaftswege und Brücken im Polargebiet gebaut.

Dank des Polders können die Landwirte ihre Flächen im Bereich der Luttumer Wiesen und in der Hohner Marsch wesentlich intensiver als früher nutzen. Flächen konnten umgebrochen werden, sodass neben Weidenutzung auch hier Ackerbau möglich wurde.

Die Sommerhochwasser werden durch die Deiche völlig vom Polder zurückgehalten. Schutz vor Winterhochwassern bieten die Deiche allerdings nicht. So wurde der Polder in den Jahren 1981, 1987 und 1994 überflutet. Das Wasser richtete jedes Mal erheblichen Schaden an.

Am 30. Januar 1995 schlossen sich der „Wasser- und Bodenverband Hohenaverbergen und Luttumer Marsch“ und der „Drommelbeckverband Armsen“ zu einem Verband zusammen. Der stetige Rückgang der noch wirtschaftenden Landwirte hatte dazu geführt, dass einige gewählte Verbandsorgane in beiden Verbänden tätig sein mussten.

Der vereinigte Verband wird jetzt unter dem Namen „Wasser- und Bodenverband Hohenaverbergen-Luttum-Armsen“ geführt.

[...]