Luttum
- Unser Dorf im Herzen von Niedersachsen -


Der folgende Text ist aus der Dorfchronik entnommen.



Kirche                                                                                                  Dorfchronik S. 174



Luttum gehörte über Jahrhunderte zur St.-Andreasgemeinde in Verden. Die Bauern von Luttum hatten früher an die Kirche jährlich Abgaben zu leisten für den Pastor und den Küster. Es waren überwiegend Naturalleistungen (z.B. Getreide und Brot) zu erbringen.

 

Anfang der siebziger Jahre dieses Jahrhunderts wurde eine Neugliederung der St.-Andreasgemeinde notwendig. Ausschlaggebend war vor allem die unterschiedliche Größe der Nachbargemeinde Wittlohe. Zum Vergleich: In der Kirchengemeinde Wittlohe gab es rund 1600 Seelen, während die St.-Andreasgemeinde von 5400 Seelen gebildet wurde.

 

Zum 1. Januar 1973 wurde der Ausgleich vorgenommen und einige Dörfer umgemeindet. Die Einwohner von Armsen, Hohenaverbergen und Luttum wurden von St. Andreas in Verden ausgegliedert und in die Gemeinde Wittlohe eingemeindet.

 

 

   

Der Friedhof                                                                                  Dorfchronik S. 174-177


 

Die Verstorbenen der zum Dom und zur St.-Andreaskirche gehörenden Landgemeinden wurden über Jahrhunderte auf dem Kirchhof zwischen dem Dom und der St.-Andreaskirche in Verden beigesetzt. Dieser Begräbnisplatz besteht jetzt nicht mehr. Hier befindet sich heute der Domplatz. Durch das Anwachsen der Bevölkerung war dieser Kirchhof gegen Ende des 18. Jahrhunderts völlig überbelegt. Ein neuer Friedhof musste geschaffen werden.

 

Zu diesem Zweck wurde der vor den Mauern der Stadt – im Bereich Andreaswall/ Eitzer Straße – gelegene Garnisonsfriedhof erweitert. 1796 wurde für die Dom und St.-Andreasgemeinde auf dem Gelände hinter dem Garnisonsfriedhof die neue Begräbnisstätte mit 72 Grabreihen angelegt. Sie erhielt den Namen Domfriedhof. Jedes Dorf bekam bestimmte Grabreihen zugeteilt. Dem Belegungsplan von 1798 ist zu entnehmen, dass für Luttum drei Grabreihen im nördlichen Teil des Friedhofs vorgesehen waren. Es waren die Reihen 16, 17 und 18 mit den Nummern 64 bis 85.

 

Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert trat Platzmangel auf dem Domfriedhof ein und eine Vergrößerung wurde dringend erforderlich. In dieser Zeit legten deshalb viele Landgemeinden einen dorfeigenen Friedhof an, so auch die Nachbardörfer Armsen, Hohenaverbergen und Neddenaverbergen. Luttum aber blieb weiterhin auf dem gemeinschaftlichen Friedhof in Verden. Um dort ihre Verstorbenen zu bestatten, mussten die Luttumer Einwohner stets einen mehrere Kilometer langen und beschwerlichen Weg mitsamt dem Leichnam zurücklegen. Im Jahre 1900 gründeten die Luttumer deshalb einen Beerdigungsverein. Dazu aber an an anderer Stelle mehr.

 

Durch die Schulchronik wissen wir, dass Luttum zu Beginn dieses Jahrhunderts den Wunsch hegte, selbst einen Friedhof im Dorf anzulegen. Im Jahre 1912 beschreibt Lehrer Thiele dazu folgendes: „…Leider ging bei dem Verkauf der Lindhorstschen Höfe ein Wunsch der Gemeinde nicht in Erfüllung: Lindhorst hatte vor Jahren mehrmals die bestimmte Absicht ausgesprochen (und darüber oftmals mit dem Lehrer Thiele verhandelt), ein Grundstück, welches sich besonders dazu eignete, der Gemeinde als Friedhof zu überweisen, da die Gemeinde den Wunsch hatte, einen eigenen Friedhof zu haben…“

 

Am 22. Januar 1915 beschäftigte sich auch die Gemeindeversammlung mit dem Thema Friedhof und fasste den Beschluss: „Gegen den Ankauf eines Grundstückes zum Kirchhof wurde kein Widerspruch erhoben, sondern wurde der Antrag einstimmig angenommen.“ Doch durch den ersten Weltkrieg wurde dieses Vorhaben vorerst nicht weiter verfolgt.

 

Erst Anfang der zwanziger Jahre wurde das Projekt Dorffriedhof realisiert.

 

Im Jahre 1920 erklärte sich auch der Kirchenvorstand der St. Andreasgemeinde Verden grundsätzlich damit einverstanden, dass für die Einwohner der Ortschaft Luttum ein eigener Dorffriedhof angelegt würde. Auf der Kirchenvorstandssitzung am 1. April 1921 erging dazu der folgende Beschluss: „ Der Küchenvorstand beschließt auf Antrag der Gemeinde Luttum ein Nebenfriedhof anzulegen. Der Kirchhof wird der Aufsicht des Küchenvorstandes unterstellt. Die Kosten der Anlage und die Unterhaltung des Kirchhofes trägt die Gemeinde Luttum. An dem bisherigen Gesamtfriedhof (Domfriedhof in Verden) der Gemeinde bleibt die Gemeinde wie bisher beteiligt. Es steht ihr frei und ist erwünscht, wenn sie die noch unbesetzten Plätze an den Kirchenvorstand zurückverkauft.“

 

Noch im gleichen Jahr überließ der Anbauer Heinrich Meinke, Nr. 53, der Gemeinde Luttum ein 3.496 Quadratmeter großes Grundstück am heutigen Grevenskampweg zur Anlage des Dorffriedhofes. Meinke erhielt dafür im Austausch ein Stück des Schullandes. Das Friedhofsgrundstück wurde sodann an die Kirchengemeinde St.-Andreas Verden zum Eigentum übertragen. 1922 wurde der Gemeindefriedhof vermessen und zunächst mit einem Drahtzaun eingefriedet. Erst um 1930 wurde dann eine Hecke um den Friedhof herum angepflanzt. Nach dem Vermessungsarbeiten erfolgte die Auslosung und Zuteilung der bestellten Begräbnisplätze an die Luttumer Einwohner. Die feierliche Einweihung des Luttumer Friedhofes fand schließlich am 26. Januar 1923 durch Pastor von Bremen von der St.-Andreaskirche statt. Zugleich wurde auch die erste Beisetzung vorgenommen. Es handelte sich um die Einwohnerin Meter Adele Tietje, Nr. 7b.

 

Durch den vermehrten Zuzug von Flüchtlingen und den Bau der Neusiedlung wurde es Anfang der Fünfzigerjahre notwendig, den Friedhof in Luttum zu vergrößern. Zu diesem Zweck verkaufte Friedrich Meinke, Nr. 53, ein Grundstück von 473 Quadratmetern, das sich südlich an den bestehenden Friedhof anschloss, an die Kirchengemeinde St.-Andreas in Verden. Den Kaufpreis hierfür zahlte allerdings die Gemeinde Luttum.

 

Im Zuge der Verhandlungen zwischen der Gemeinde Luttum und der Kirchengemeinde St.-Andreas um den Bau einer Friedhofskapelle wurde 1971 der kirchliche Friedhof von Luttum auf die Gemeinde übertragen.

 

Nachdem die Kapelle gebaut worden war, wurde der Friedhof noch einmal erweitert.

 

Seit Bestehen des Friedhofes in Luttum waren folgende Personen hier als Kuhlengräber tätig:

 

Heinrich Lindhorst, Nr. 39

Diedrich Herbst, Nr. 28

Sohn Adolf Herbst

Friedrich Lüdemann, Nr. 57

Helmut Bösenberg, Nr. 16

 

Seit Mitte der Achtzigerjahre werden die Gräber von Arbeitern des Bauhofes der Gemeinde Kirchlinteln ausgehoben.

 

Den Gemeindeakten ist zu entnehmen, dass beispielsweise der Kuhlengräber Diedrich Herbst im Jahre 1932 für das Ausheben eines großen Grabes (Erwachsenengrab) sechs Mark und für ein Kindergrab lediglich drei Mark erhielt.

 

In der Regel waren die Kuhlegräber auch als Friedhofswärter tätig (Reinigung der Wege, Schneiden der Hecken usw.).



Friedhofskapelle

 

 

Seit alters her war es üblich, die Toten bis zur Beerdigung im Sterbehaus aufzubahren. Dort wurde auch die Trauerfeier auf der Diele abgehalten. In den neueren Siedlungshäusern war das nicht mehr möglich. Nach 1964 war die Aufbahrung von Toten auch in den Bauernhäusern nur noch mit behördlicher Genehmigung erlaubt und in mehrgeschossigen Siedlungsbauten überhaupt nicht mehr gestattet. Vor allem hygienische Gründe sprachen gegen eine Aufbahrung in Wohnhäusern. Es musste also dringend Abhilfe geschaffen werden durch den Bau einer Friedhofskapelle mit Leichenkammer.

 

Bereits im Jahre 1965 wurde vom Verwaltungsausschuss der Gemeinde Luttum und dem Kirchenvorstand der St.-Andreaskirchengemeinde über die Errichtung einer Friedhofskapelle beraten. Alle Parteien waren sich einig, möglichst bald ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. Es folgten jedoch langwierige Verhandlungen um die Finanzierung. Nach Ansicht der Gemeinde sollte die Kirchengemeinde als Eigentümerin des Friedhofes Luttum die Friedhofskapelle bauen lassen. Die Kirchengemeinde sah sich aber mangels finanzieller Mittel außerstande, in naher Zukunft eine Friedhofskapelle zu errichten.

 

Anfang der Siebzigerjahre kam es schließlich zu der zu einer Einigung. Die Gemeinde Luttum erklärte sich bereit, ein geeignetes Grundstück in Friedhofsnähe zu erwerben und die Kosten für den Kapellenbau zu tragen. Im Gegenzug dazu wurde der seit 1921 kircheneigene Friedhof in Luttum kostenlos der Gemeinde übereignet.

 

Zunächst kaufte die Gemeinde von Frieda Hermes, Luttum Nr. 9, eine circa 2000  Quadratmeter große Fläche an der Bergstraße. Dieses Gelände schloss südlich an den Friedhof an. Mit der Bauplanung und -leitung wurde der Ingenieur Hermann Ueltzen aus Armsen, Nr. 49, im November 1971 beauftragt.

 

Die Erdarbeiten sowie die Herstellung der Fundamente und der Betonbodenplatte erfolgten von den Dorfbewohnern in Eigenhilfe. Außerdem wurde eine Spendensammlung in Luttum durchgeführt. Sie erbrachte rund 29.500 DM sowie als Sachspende einiger Luttumer Einwohner eine Glocke mit Läutewerk. An den Gesamtbaukosten von 150.000 DM beteiligte sich ebenfalls der Landkreis Verden mit einer Beihilfe.

 

Bereits im Juli 1972 – kurz nach Gebietsreform – waren die Bauarbeiten soweit fortgeschritten, dass die neue Kapelle gerichtet werden konnte.

 

Die Einweihung der Friedhofskapelle fand am 18. Februar 1973 statt. Nach der Schlüsselübergabe des Architekten H. Ueltzen an Ortsvorsteher Helmut Blome weihte Pastor Lühmann von der St.-Andreaskirche in Verden die neue Kapelle.

 

Der Andachtsraum der Friedhofskapelle kann bis zu 140 Personen aufnehmen. Weiterhin sind ein Aufbahrungsraum, ein Aufenthaltsraum für Pastoren, ein Geräteraum und eine Toilette vorhanden.

 

Die Kapelle wird nicht nur für Trauerfeiern, sondern auch für Gottesdienste und andere kirchliche Feierstunden genutzt.

 

Nach dem Bau der Friedhofskapelle wurde das Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege von seinem Standort auf dem Friedhof nun neben den Eingang der Kapelle umgesetzt.


 

Beerdigungsverein


 

In Luttum gab es einen Beerdigungsverein. Er wurde am 3. März 1900 gegründet. Alle Ortseingesessenen mit Ausnahme eines Anbauers traten dem Verein bei. Dem gewählten Vorstand gehörten der Dorflehrer Gustav Thiele und die Anbauern Hermann Grote und Heinrich Oestmann an. Ein Mitgliedsbeitrag wurde nur nach Bedarf erhoben, das heißt, wenn jemand im Ort verstorben war.

 

Zu dieser Zeit hatte Luttum noch keinen dorfeigenen Friedhof, sodass die Verstorbene auch weiterhin auf dem Domfriedhof in Verden bestattet werden mussten. Ein langer, beschwerlicher Weg war mit dem Leichnam zurückzulegen. Lehrer Thiele beschreibt die Situation vor Gründung des Vereins wie folgt. „Bislang war es beim Begräbnis eines Gemeindegliedes so gewesen, dass nur die dem Toten das letzte Geleit gaben, welche besonders dazu eingeladen waren. Die sog. Leichenfahrt wurde gewöhnlich von einem besonders dazu Erbetenen unentgeltlich getan. So kam es dann häufig vor, dass mancher in seinem Gefolge nur die Träger hatte und der Leichenfahrer dieses oft mit dem größten Widerwillen tat, eben weil nicht bezahlt wurde.“

 

Weiter heißt es: „Ein widerliches Herkommen aus alter Zeit war aber der sog. „Leichenschmaus“. Es war nämlich so, dass das ganze Trauergefolge, nachdem die Leiche bestattet war, wieder ins Trauerhaus zurückkehrte, und ist dort ein Essen gab, im Volksmunde: „das Fell des Toten verzerrt wurde“, wobei es oft sehr toll her ging. Jeder scheute sich, diesen Gebrauch als Erster abzubringen.“

 

Um mit den von Lehrer Thiele beschriebenen Missständen aufzuräumen, wurde der Beerdigungsverein Luttum gegründet.

 

Der Verein erhielt auch eine Satzung. Sie ist nicht mehr erhalten, einige der Statuten werden jedoch in der Schulchronik erwähnt. Jedes Mitglied des Vereins hatte die Pflicht, der Leiche zum Friedhof zu folgen. Ferner wurde der Leichenwagen von Vereins wegen gestellt und auch bezahlt. Ebenfalls wurde der Brauch des Leichenschmauses abgeschafft. Bei Androhung einer Geldstrafe oder Ausweisung aus dem Verein durfte kein Vereinsmitglied im Sterbehause Speisen oder Getränke annehmen.

 

Der Beerdigungsverein hörte auf zu existieren, als im Jahre 1923 der dorfeigene Friedhof angelegt wurde. Seine Dienste wurden nun nicht mehr benötigt.



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